Ausstellung „It’s not about me“ in der Galerie Sperling in München

November 11 – December 22, 2016
OPENING: November 10, 6pm – 9pm

http://www.sperling-munich.com

In seiner ersten Ausstellung bei SPERLING präsentiert Sebastian Jung Fotografien, Skulpturen und Arbeiten auf Papier, die sich dem Thema der Selbstwahrnehmung im digitalen Zeitalter widmen. Hierbei bedient er sich zum Einen vorgefundenen Bildmaterials aus populären sozialen Medien wie Snapchat und Facebook und zum Anderen alltäglicher Eindrücke und Situationen aus seinem direkten Umfeld, die er mit dem Handy festhält und dann in das jeweilige Medium überträgt. Jungs interdisziplinärem Werk liegt stets seine subtile Beobachtungsgabe zugrunde, die den Ausgangspunkt seines künstlerischen Schaffens bildet. Mit feiner Ironie und schonungsloser Selbstkritik begegnet er in ‚It’s not about me‘ dem Profilierungsdruck sozialer Medien und der daraus resultierenden, allgegenwärtigen Inszenierung eines erwünschten Selbst.

Der zutiefst narzisstische Akt der permanenten Bestätigungssuche, den Künstler seit jeher für sich beanspruchen und der weithin toleriert wird, spiegelt zunehmend das Wesen einer heutigen Gesellschaft wider, in der das Individuum seine Verortung erst wieder finden muss. Was passiert mit einer Gesellschaft, in der sich das Individuum ständig mit sich selbst beschäftigt? In der es dabei nicht mehr um 15 Minuten Berühmtheit geht, sondern um 15 Sekunden – so oft wie möglich? Es entstehen Ängste, Sehnsüchte und Wünsche, die Jung ironisch aufgreift und uns offenbart, in dem er seine Person zeitgemäß ins Zentrum rückt, sich dabei aber nicht stark und selbstbewusst, sondern verletzlich und angreifbar zeigt. Hierbei geht es dann eben nicht nur um Sebastian Jung, sondern um eine ernste und reflektierte Auseinandersetzung mit der gesellschaftlichen und sozialen Situation, die seine Arbeiten um eine weitere Deutungsebene ergänzt und den Blick des Betrachters auf sich selbst lenkt. So entstehen Arbeiten, die zunächst oft fröhlich wirken, sich bei genauerer Betrachtung aber als tief traurig entpuppen.

Jung nähert sich diesem Thema von verschiedenen Seiten und vereint in der Ausstellung Serien unterschiedlicher Medien. Neben zarten Zeichnungen, die von einer stark reduzierten Linie dominiert werden, zeigt Jung expressive und an Karikaturen erinnernde Aquarelle. Seine Fotografien wirken wie beiläufig entstandene Handyfotos, leicht verschwommen, mit optischen Fehlern, die die Skurrilität des Augenblicks und der Handlung betonen. Beiden fügt er teilweise Emojis oder Textzeilen hinzu, die an die Kommunikation in sozialen Netzwerken erinnern.

Sebastian Jung, 1987 geboren, studierte Kunst und Gestaltung an der Bauhaus Universität in Weimar. Seine Werke wurden kürzlich von der Kunstsammlung Jena, im Jenaer Kunstverein, der nGbK – neue Gesellschaft für bildende Kunst in Berlin und der Imaginata Jena präsentiert. 2017 zeigt das Stadtmuseum München Arbeiten aus der Serie ‚Winzerla – Kunst als Spurensuche im Schatten der NSU’, zu der auch ein umfassender Katalog im KERBER Verlag erschienen ist. Sebastian Jung lebt und arbeitet in Jena.