„Tendenzen ins Unbekannte“ – Positionen zu Flucht und Gesellschaft / Kunstverein Gera

Festival
120 x 160 cm

Die Ausstellung „Tendenzen ins Unbekannte“ präsentiert sieben künstlerische Positionen, die sich mit Orten und Auswirkungen von Flucht und Vertreibung auseinandersetzten .

Den alltäglichen Hysterien unserer medialen Gesellschaft stellen sich die ausgestellten Fotografien in unaufgeregter Weise entgegen. Dabei berühren die gezeigten Positionen Schlaglichter der Berichterstattung: Beginnend an einem Ort der Revolution, dem Taksim-Platz in Istanbul. Zerstörerische Spuren des Widerstands zeichnen sich auf illustrativen Architekturplänen ab und kommentieren dadurch einen stillen Protest der erstickten Gezipark-Bewegung. Die Thematik führt fort über die Routen der Flucht bis hin zum Oranienplatz in Berlin, an dem Geflüchtete im Sommer 2014 ein Camp inmitten der Stadt errichteten. Eine weitere Arbeit beleuchtet die durch Vertreibung entstandene psychologische Belastung von Kindern in den abgeschotteten Notunterkünften, Zeltlagern oder Wohnheimen. Durch den Einbau einer Camera Obscura in eine solche Unterkunft heben sich die gezeichneten Grenzen durch Projektion wiederrum auf und verbinden sich kurzzeitig mit der Außenwelt – der neuen Heimat.

Dem gegenüber steht die bildliche Vertiefung auf das Innere der Protestbewegung Thügida, welche mittels der extremen Vergrößerung den Einzelnen als schemenhafte „Figur des Bösen“ entlarvt. Auch andere Arbeiten spielen mit unseren Sehgewohnheiten. Eine Arbeit im Stile der Streetphotography streut tendenziöse Details, die erst auf den zweiten Blick in unsere alltägliche Wahrnehmung treten. Nach einem Anschlag in einer europäischen Metropole fahndet der Fotograf nach den Tatorten und löst die eigene Fassungslosigkeit in blitzhaften Augenblicken und dem Alltäglichen auf. Die Spuren des Terrors lassen sich ebenso in einem verlassenen Hotelkomplex in Tunesien ablesen, die dennoch Hoffnung auf die Rückkehr zur Normalität versprühen.

„Tendenzen ins Unbekannte“ lässt die Rolle des Fotos als kontextbefreites und schnell zu erfassendes Medium ebenso erfahren, wie seine Eigenschaft den Blick auf einen Nebenschauplatz zu lenken. Dieses Paradoxon der Fotografie wird in verschiedenen Konzepten aufgegriffen und führt somit zu einer Medienkritik an einer Gesellschaft, die plaudernd ein Schicksal zu einem Foto und ein Foto zu einem Schicksal werden lässt.

Die Ausstellung vergegenwärtigt, ohne sich dabei in Überbewertung oder Gleichgültigkeit dem Unbekannten gegenüber zu verlieren.

Alle Arbeiten wurden durch das Kollektiv von „HANT – Magazin für Fotografie“ von Thüringer Fotografen aus den bisher erschienenen Ausgaben ausgewählt:

Jens Hauspurg
Thibaut Henz
Sebastian Jung
Falk Lehmann
Martin Melcher
Paul-Ruben Mundthal
Clemens Radloff

Die Vernissage findet am Donnerstag, den 16.02.17 um 19.30 Uhr in der Galerie vom Kunstverein Gera e.V. (Markt 8/9 in 07545 Gera) statt. Während der Ausstellungszeit ist die Galerie Donnerstag bis Samstag von 12.00 – 17.00 Uhr geöffnet.